Kulinarisches

 

Im 16. Jahrhundert brachten die Spanier das „Gold der Inkas“ nach Europa. Die Speisekartoffel führte jedoch ein Schattendasein und erfreute die Augen der Menschen, aber nicht den Gaumen. Die Kartoffel war wegen ihrer schönen Blüten als Zierpflanze geschätzt. Es sollte 200 Jahre dauern bis die schmackhafte Knolle den Durchbruch schaffte. Nachdem sie die Mägen der Europäer erobert hatte, nahmen Auswanderer die Kartoffel in jedes Land mit und sorgten so für die Verbreitung rund um den Globus.

Heute ist die Speisekartoffel eines der sieben wichtigsten Grundnahrungsmittel weltweit. Österreich und Deutschland liegen mit rund 60 Kilogramm im guten Mittelfeld. Auch wenn in bestimmten Gegenden wie Australien, der Karibik oder China die Kartoffel nie die Beliebtheit wie in Europa erlangte, finden sich auch dort raffinierte Rezepte.

Den höchsten Beliebtheitsgrad hatte die Kartoffel Anfang des 20. Jahrhunderts. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch lag zu dieser Zeit bei einem Kilo pro Tag, wogegen der heutige Durchschnittsesser nur magere 20 dag Kartoffeln täglich verzehrt. Heute werden weltweit jährlich 300 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet, über zwei Drittel davon in Europa - vor allem in Osteuropa.

 

 

Wissenswertes und Kurioses

 

· Pommes frites sind keine Erfindung der Amerikaner sondern der Belgier. Um im Winter nicht auf den beliebten frittierten Fisch verzichten zu müssen, schnitzten Sie aus Kartoffeln kleine Fischchen, und backten sie in heißem Fett goldbraun heraus. Das war um 1830.

· Die ersten Kartoffelchips wurden um 1853 im Hotel Moon Lake House in New York serviert. Der Küchenchef George Crum war gebeten worden, eine Beilage dünner als die normalen französischen Bratkartoffeln herzustellen. Der verwöhnte Gast schickte sie trotzdem zurück. Aus Ärger darüber schnitt der Koch nun hauchdünne Scheiben, frittierte sie und servierte sie dem Gast. Doch dieser war nicht enttäuscht, sondern verzehrte sie mit Hochgenuss. Die ersten Kartoffelchips waren geboren.

· Die teuersten Kartoffeln werden auf der französischen Atlantikinsel Noirmountier geerntet. „La Bonette“ heißt die exquisite Knolle und ist nur einige Tage Anfang Mai auf dem Markt, danach ist sie von Feinschmeckern aufgekauft. Was unterscheidet diese Luxuskartoffel von ihren gewöhnlichen Verwandten? Das Meer verfeinert diese Kartoffeln zu einer delikaten Kostbarkeit. Die kleinen Knollen werden mit salzigem Meerestang gedüngt. Dadurch wird Jod freigesetzt und macht die Knolle süß. So überrascht es nicht weiter, dass „La Bonette“ auf den Tellern als köstliches Dessert erscheint. Die Kartoffeln werden hauchdünn gehobelt, leicht geröstet und mit schaumiger Vanillecreme und Erdbeeren, oder mit Schokolade und Erdbeeren serviert.