Die Kartoffelpflanze

 

Die Kartoffel gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), die mehr als 2.000 Arten umfasst. Weltweit bedeutende Nutzpflanzen wie Tomaten, Auberginen, Paprika oder Tabak zählen dazu, nicht aber die Süßkartoffel oder Topinambur.

Im damaligen Europa waren die Menschen nicht gewohnt, Früchte aus der Erde zu essen. Was aus dem Boden kam, hätte vom Teufel sein können. So erzählt die Geschichte der Kartoffel auch von manch tödlichem Irrtum.

Es kam vor, dass die Menschen aus Unwissenheit die Beeren oder das Kraut aßen und schwere Vergiftungen erlitten. So erging es auch Königin Elisabeth I. Ihr Leibarzt bereitete ein Gericht aus dem Kraut der Kartoffelpflanze und die Königin wurde sterbenskrank.

 

Weder Frucht noch Wurzel.
Mit Wurzeln und Früchten hat die Knolle nichts zu tun. Die Früchte der Pflanze sind die giftigen, grünen Beeren, die sich aus den Blüten entwickeln. Die essbaren Knollen hingegen sind unterirdische, verdickte Triebe, in denen die Pflanze Reservestoffe für das Auskeimen einlagert. Sie sind also die Speicherorgane der Kartoffelstaude. Die darin enthaltenen Vitamine, Mineralstoffe und Stärke benötigt die Knolle im Frühjahr zum Austreiben, der Mensch das ganze Jahr über für seine Gesundheit.

An den Boden stellt die Kartoffel keine großen Ansprüche. Das Einzige was sie nicht mag, sind Staunässe und, anders als die südamerikanischen Sorten, Frost. Einmal in der Erde vermehrt sich die Kartoffel vegetativ und bildet zahlreiche Tochterknollen. Eine Saatkartoffel bringt dabei 10 bis 25 solcher Sprossknollen hervor, die alle mit der Mutterknolle genetisch ident sind. Wer also Kartoffeln isst, verspeist eigentlich immer nur die „Klone“ einer Kartoffel. Das macht die Sorte stabil, verhindert aber die genetische Anpassung an die Umwelt.

Um neue Sorten zu züchten, sind die Samen in den Kartoffelfrüchten gefragt. Sie werden für Kreuzungsversuche verwendet, was die Inkas bereits wussten und erfolgreich für die Schaffung hunderter Sorten einsetzten. 

 

Geschmackliche Farbtupfer.
Spezialitäten aus Südamerika und alte europäische Sorten, die bereits in Vergessenheit geraten sind, bereichern neuerdings die europäische Kartoffellandschaft. Dabei ist an Farben- und Formenvielfalt fast alles möglich, von rot und violett, schwarz oder gelb, bis länglich, oval oder rund. Getupfte und marmorierte Knollen erinnern an bunte Ostereier. Es sind gerade diese exotisch anmutenden Sorten, die die profane Kartoffel auch für den Gourmet wieder interessant machen.

Auch auf dem Pflanzenbeet machen die Exoten gute Figur. Je nach Sorte blühen sie wunderschön in weiß, rosa, violett oder blau.

Tausende Sorten sind bekannt. Zu den ältesten und bedeutendsten Sammlungen der Welt zählt das St. Petersburger Kartoffelarchiv mit über 10.000 Kartoffelsorten. Es beherbergt unter anderem wilde Kartoffelpflanzen, die in ihrer Heimat bereits ausgestorben sind, durch den genetischen Pool aber die Züchtung neuer Sorten ermöglichen.